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Wasser im Überfluss... erschien 2007
Das Telefon klingelt. Ich ignoriere es. Stattdessen folge ich meinem Plan: Klamotten in die Trommel, Pulver dazu, Wasserhahn auf, Power-Knopf drücken.
Das Telefon klingelt. Ich gehe rüber und hebe den Hörer ab. Es ist mein Bruder. „Nicht jetzt!“, rufe ich, lege auf und laufe zurück in die Küche. Meine Mutter hat gesagt, ich soll beim ersten Waschgang in der Nähe der Maschine bleiben. Dies ist meine erste eigene Waschmaschine. Ich habe sie selbst angeschlossen. Ich habe sie gebraucht gekauft. Und gebrauchte Maschinen können verkalkt sein. Und was dann passieren kann – ist nicht schön. Ich ziehe die Vorhänge zu, zünde ein paar Kerzen im Wohnzimmer und in der Küche an, schmiere mir ein Käsebrot, mixe einen Kakao und setze mich vor die Maschine.
Das Telefon klingelt. Es ist mein Bruder. Ich lege auf und hoffe, dass er mich für die nächsten zwei Stunden in Ruhe lässt. Zwei verdammte Stunden darf ich in meinem Leben doch mal egoistisch sein und mich nur um meinen eigenen Kram kümmern, nicht wahr!? Ich gehe zurück in die Küche, esse mein Brot, trinke den Kakao und sehe in die Trommel. Inzwischen ist das Wasser hineingelaufen und die Maschine beginnt mit dem ersten Waschgang. Misstrauisch horche ich auf jeden Ton. Die Maschine stoppt und immer wieder läuft Wasser in die Trommel. Soviel Wasser? Das kann nicht gesund sein. Das Telefon klingelt. Ich stelle mein Geschirr auf die Maschine, gehe zum Telefon und nehme ab. Es ist mein Bruder. Ich lege wieder auf und nehme wieder ab. Dann wähle ich die Nummer von der Frau, die mir die Maschine günstig verkauft hat.
„Ist das normal, dass da so viel Wasser reinläuft?“, frage ich.
Beunruhigt setze ich mich vor die Maschine. Die Trommel wirbelt meine Jeans im Kreis herum, bis mir schwindelig wird. Sie dreht sich schneller und schneller, stoppt kurz ab und wieder läuft Wasser dazu. Die Trommel ist jetzt mindesten halb voll mit Wasser und die Maschine ruckelt immer doller. Oben vibriert mein Geschirr.
„Kind, sei nicht hysterisch“, sagt sie. In der Küche plätschert es. Ich stürze mit drei Schritten rüber. Was ich sehe, ist schrecklich: Die Trommel ist dreiviertel voll. Was soll ich jetzt tun? Sicher ist es schädlich, wenn ich den Stecker ziehe. Das habe ich als Kind mal beim Plattenspieler meines Bruders gemacht. Stecker ziehen – tut weh. Ich knabbere an meinen Fingernägeln und entschließe mich – nichts zu tun. Hoffentlich sind alle Dichtungen dicht. Ich knie mich unter die Spüle und taste die Plastikrohre ab. An der Stelle, wo die Rohre von unten in das Abflussrohr der Spüle münden, fühle ich etwas Nasses. Oder bilde ich mir das nur ein? Der Schweiß tropft mir von der Stirn. Wenn das Wasser an dieser Stelle raus kommt - brauche ich einen großen Feudel. Ich hole mein Bettzeug und die Decken vom Sofa und baue einen Staudamm. Jetzt ist es gemütlich vor der Maschine. Ich sitze da und murmele vor mich hin: „Bitte, lieber Gott, pump das Wasser ab. Lieber Gott, pump das Wasser ab. Bitte, lieber Gott, pump das Wasser ab.“ Das Telefon klingelt. Ich hole meine Klamotten aus dem Schrank und baue eine Deichmauer vor der Küchentür. Ungefähr nach dem 20. Klingelton nehme ich ab. Es ist mein Bruder.
„Was ist los?“, frage ich. Ich höre, wie meine Waschmaschine zu rattern beginnt. Ich lege auf und renne hin. Mein Geschirr hüpft auf der Maschine herum. Schnell stelle ich es in die Spüle. Die Waschmaschine schleudert so heftig - wie noch nie. Sie schlägt mit der rechten Seite gegen den Spülschrank und mit der linken gegen den Herd. Das sieht nicht gesund aus – für den Herd. Ich versuche, die Maschine festzuhalten, doch stattdessen werde ich durchgeschüttelt. Ich drücke mein Körpergewicht auf die linke hintere Ecke der Maschine. Jetzt - tanzt sie auf der Stelle. Ich höre, wie das Wasser durch das Rohr unter der Spüle sprudelt. Wenigstens etwas. Ein Summen ertönt und schwillt an. Das Zittern der Maschine wandert durch meine Arme und schüttelt meinen Körper bis zu den Zähnen durch. Ich gerate in einen Rausch und genieße es. Ich schließe die Augen. Das ist so – orgastisch. Der Summton erreicht sein Limit. Die Maschine gibt nach und steht still. Da klingelt es. Ich hebe den Telefonhörer ab. Doch da ist niemand. Es klingelt wieder. Ich gehe zur Wohnungstür und öffne. Mein Bruder stößt die Tür auf, packt mich, schüttelt mich und faucht:
„Du scheiß Egoist! Was ist los mir dir? Was hast du gemacht?“ Er lässt mich los. Ich sinke auf das Sofa und starre ihn an. Sein Gesicht ist rot und er zittert. Dann zischt er:
„Es hat den ganzen Tag geregnet. Der Fluss ist über die Ufer getreten. Der Damm ist gebrochen. Unser Haus ist abgesoffen!“ Mein Bruder zieht mit seiner Familie bei mir ein. Die Kinder schlafen in meinem Bett, der Hund auf dem Sessel, mein Bruder mit seiner Frau auf dem Sofa. Für mich bleibt – der Staudamm vor meiner Waschmaschine.
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