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Der Straßenfeger... erschien 1989
Immer dieselbe Leier, die der Typ da vorne abgibt, dachte Martin und verzierte seinen Tisch. Sein Nachbar versuchte, mit dem Stuhl auf einem Bein das Gleichgewicht zu halten. Auch die anderen dösten herum. Der Englischunterricht war nicht der schlechteste, aber irgend etwas fehlte dem Hampelmann da vorne.
"Martin. Holst Du mal bitte Kreide!" Als er zufällig aus dem Fenster sah, blieb er abrupt stehen. Er sah, wie draußen eine Kohlmeise eine andere verfolgte. Die machten ein ganz schönes Geschrei. Plötzlich setzte sich die eine auf die andere, und da dies an einem Abhang geschah, verloren beide das Gleichgewicht und purzelten, ineinander verkeilt, den Hang hinunter bis auf das Pflaster. Martin hatte noch nie gesehen, wie sich zwei Vögel paaren und schaute sich das Treiben gerne an.
Abrupt kam er auch wieder in seine Welt zurück. Irgendwer hatte hinter ihm eine Tür zugeknallt.
Als er in die Klasse zurückkehrte, wartete der Lehrer bereits ungeduldig auf die Kreide.
"Du warst wohl noch auf dem Klo?"
Nach zehn Minuten klingelte es dann endlich. Mathe ging schnell rum. Dann Chemie. Er war in Chemie ganz gut, aber es ödete ihn trotzdem an.
Überhaupt, wenn er so nachdachte, ihm fehlte in letzter Zeit total die Lust auf Schule. Aber jetzt in der Elf alles hinschmeißen und aufhören? Was dann? Ohne Abi sah das doch mies aus. Seine Mutter meinte immer, mit Abitur ginge alles.
Schön und gut, wenn er wenigstens `ne Ahnung hätte, was er mal machen könnte. Studieren wollte er weiß Gott nicht. Aber wäre Arbeiten besser? Dies ewige Noten scheffeln ging ihm jedenfalls gehörig auf den Wecker.
Der Weg nach oben? Haha. Und dann? Oben bleiben natürlich. Aber was ihn wirklich am meisten anwiderte, das war dieser dauernde Trott. Jede Woche glich haargenau der vorigen. Aufstehen, Essen, Schule, Essen, Hausaufgaben, Essen, Schlafen. Ab und zu am Samstag mal Disco. Seine Freizeit ging für Sport und Musik drauf.
Wenn man keine Zukunft sieht, ist die Schule bestimmt noch das Beste, aber sonst?
Sein Grübeln wurde vom Klingeln unterbrochen. Aufatmen, aber schon betrat der Klassenlehrer den Raum.
Martin grübelte wieder. Eins war für ihn klar, bloß kein Manager werden oder so. Sich in den Konsumkapitalismus stürzen und mitmachen wollte er auf gar keinen Fall.
Fallensteller in Kanada oder Straßenmusikant. Oder einen neuen Beruf erfinden, Faulenzer mit 3000 netto vom Staat - das wäre nicht schlecht, aber - Träumerei.
Schauspieler wollte er früher mal werden. Aber er hatte weder Nerven noch Geduld oder Talent.
"Martin, was machst du?" fragte ihn der Lehrer als letztes.
"Naja, alle wollen was werden. Etwas aus sich machen, den großen Coup landen. Ich will nicht das, was alle wollen. Und sowieso, auf dieser ollen Erde dreht sich ja doch alles nur ums Geld. Da hab ich keinen Bock drauf."
Das Klingeln beendete das Gespräch. Der Klassenlehrer machte Schluß, und die meisten stürmten nach draußen, um ihre Straßenbahnen zu kriegen. Zu Hause erwartete Martin eine eher negative Überraschung. Tante Liese war zu Besuch. So fiel das Mittagessen aus, und es wurde um so ausführlicher Kaffee getrunken und Kuchen gegessen. Die Tante drückte ihm zwar meistens einen Zwanziger in die Hand, aber dafür mußte er sich vollschwätzen lassen. Sie erzählte mal wieder so alles mögliche, von ihren alten Damen beim Kirchentreff. Sie redete und redete, und irgendwann kam sie auch noch auf die Idee, ihn zu fragen, was er denn nach der Schule machen wolle.
Martin war inzwischen fürchterlich entnervt und antwortete:
Damit hatte er mal wieder voll mit dem Hammer auf den kleinen Zeh getroffen. Die Tante beschwerte sich über seinen Zynismus, den er wohl vom Vater geerbt habe und die Mutter meinte, davon könne man ja gar nicht leben.
Als er am nächsten Morgen aufwachte, fing er gerade noch die letzten Reste seines nächtlichen Traumes auf.
Ein seltsamer Traum:
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